Was macht ein Armeeseelsorger? Ein Vortrag für Senioren, Seniorinnen und andere Interessierte

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Asg 4

Nein, es gab keine Militärbiskuits zum Kaffee, dafür aber viele, spannende Informationen zum Thema Kirche und/im Militär.
Pfarrer Roland Diethelm, im Rang eines Hauptmannes, erzählte aus seiner Arbeit als Seelsorger in der Armee, vornehmlich in Rekrutenschulen, Unteroffiziers- und Offiziersschulen in Artillerie und Luftwaffe.
Roland Beat Diethelm,
Zum Anfang hörten wir Wissenswertes über die Armee im Allgemeinen. Vieles hat sich ja gegenüber früher geändert. War es einst der Berufskarriere förderlich, wenn man im Militär eine höhere Position errungen hatte, ist dies heute oft ein Nachteil für das berufliche Weiterkommen. Die Armee ist auch kleiner geworden. Von einmal 600'000 Wehrdienstleistenden wird sie nach mehreren Revisionen noch rund 100'000 Personen umfassen. Dies hat unter Anderem auch damit zu tun, dass es heute andere Formen von Kriegen, andere Bedrohungen und andere Aufträge gibt für die Einsätze, als noch vor 50 Jahren. Das Militär wird z. B. für die Hilfe bei Naturkatastrophen und zur Friedenssicherung eingesetzt, zum Schutz von Flughäfen, Konferenzen, Gebäuden. Oft auch zur Verstärkung der Polizei.

Für die jungen Männer (und die wenigen Frauen), die in die Rekrutenschule ein-treten, beginnt eine schwierige Zeit. Sie, die sich gewöhnt sind, dass Eltern und Erziehende Rücksicht nehmen auf ihre ganz individuellen Bedürfnisse, erleben nun eine Art „Zwangsgemeinschaft“, in die sie sich klaglos ein- und den Vorgesetzten widerspruchslos unterordnen sollen. Dabei sind diese Vorgesetzten - anders als früher – meist nur wenig älter als ihre Untergebenen.

Am Einführungstag, nach dem Fassen der Uniformen, tritt der Armeeseelsorger zum ersten Mal in Aktion. Er erteilt einen „Erste-Hilfe-Kurs“. Dabei geht es nicht um das Anlegen von Verbänden und das richtige Lagern von Verwundeten, sondern um einen rücksichtsvollen, hilfreichen Umgang mit den Kameraden, um Verantwortung füreinander. Um Seelsorge im Alltag, geleistet von Mitrekruten. Natürlich wird auch darüber gesprochen, wann und in welchen Fällen die professionelle Hilfe eines Seelsorgers angefordert werden müsste.

Solche „Theorien“ gibt es im Laufe der RS noch zwei. Einmal zum Thema „Kriegshandwerk“, wie verändert es den Charakter, macht es die Rekruten einfach zu Befehlsempfängern, allenfalls sogar zu Menschenverächtern? Und als drittes Thema wird über das Verhältnis zu den und den Umgang mit den Vorgesetzten gesprochen.

Selbstverständlich hat auch jeder Rekrut, jeder Armeeangehörige das Recht, sich für seine ganz persönlichen Fragen und Probleme an seinen Armeeseelsorger zu wenden.

Aufgelockert wurde der Nachmittag durch einen kurzen Film und durch Lieder, die gemeinsam gesungen oder von Pfarrer Diethelm solistisch vorgetragen wurden, am Flügel begleitet von Vreni Germann.

Nach dem spannenden Vortrag und einer angeregten Diskussion war uns allen klar, dass es für die Kirche wichtig und nötig ist, dass sie im Militär durch ihre Seelsorger präsent ist - und auch, dass Pfarrer Diethelm dafür der richtige Mann ist!
Margrit Stoll

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„Freud und Leid im Kampfanzug“
Erfahrungsbericht am Mittwoch 14. September 2011 ab 14.30 Uhr

In der Schweiz gilt die mit der Bundesverfassung verbriefte Religionsfreiheit. Niemand darf zu religiösen Handlungen gezwungen werden. Niemandem darf die Ausübung seines Glaubens verwehrt werden, solange sie die Freiheit des andern respektiert.
Jeder Angehörige der Armee hat gemäss dem Dienstreglement 2004 Anspruch auf seelsorgerische Betreuung. Durch den Feldprediger - seit
2004 Armeeseelsorger genannt - nehmen die evang.-ref. und die röm.- kath. Landeskirche in einer Art "Seelsorgevertrag" diese Aufgabe wahr. Voraussetzung für die Ernennung zum Armeeseelsorger sind eine bestandene Rekrutenschule und die Ordination durch die Kirche, von der ein Kandidat empfohlen wird. Als Bürger, Soldat und Christ leistet der Armeeseelsorger seinen Dienst in der Armee.

Eidgenössische Truppen wurden in den Schlachten der alten Bünde traditionell von Feldgeistlichen begleitet. Bei Laupen spielte 1339 der Berner Leutpriester Diebold Baselwind eine herausragende Rolle.
Fast zwei Jahrhunderte später nahmen Matthäus Schiner und Huldrych Zwingli prominent an Feldzügen und Schlachten teil (Marignano 1515, Kappel 1531). Während des Spätmittelalters und bis weit in die Neuzeit hinein wurde die Schlacht als Gottesgericht betrachtet.
Bekannt - und als Söldner begehrt - in ganz Europa waren die Schweizer Bauernsöhne nicht nur wegen ihrer Kampfkraft und ihres Todesmuts, sondern auch wegen ihres gemeinsamen Gebets vor der Schlacht, das sie kniend mit erhobenen Händen verrichteten.

Die Feldgeistlichen unterstehen dem besonderen Schutz des Genfer Abkommens und sind im Krieg mit der internationalen Armbinde entsprechend gekennzeichnet. Seit der Einführung der eidgenössischen Militärorganisation 1874 bekleiden sie den Offiziersgrad eines Hauptmanns und seit vielen Jahren tragen sie die gewöhnliche militärische Arbeitsbekleidung (Uniform) mit dem schwarzen Kreuz als Erkennungszeichen.

Der Armeeseelsorger lebt eng mit der Truppe zusammen. So kann er die persönlichen Anliegen, die dienstlichen Probleme wie auch die charakterbedingten Konflikte, welche die Angehörigen der Armee aus dem zivilen Alltag mit in den Militärdienst nehmen, erspüren, heraushören, sehen und feststellen. In Krisenfällen begleitet er die Betroffenen in besonderer Weise und berät den zuständigen Kommandanten. Derart sind Tätigkeit und Botschaft des Armeeseelsorgers von mitmenschlicher Offenheit und hilfsbereiter Einfühlsamkeit geprägt.
Pfr. Roland Diethelm

Autor: Brigitte Bosshard     Bereitgestellt: 17.09.2011    
aktualisiert mit kirchenweb.ch