Jahresthema 2010

Meine Zeit steht in Gottes Händen Psalm 31,16
Elke Rüegger-Haller, Pfarrerin
Ein kurzer Satz, dieses Jahresthema. Zu lesen auch auf dem weissen Band über dem Kirchgemeindehaus - vom Tram aus, wenns am Wipkingerplatz vorbeifährt, oder auch, wenn man zu Fuss am Wipkingerplatz unterwegs ist. Was denkt mann und frau, wenn dieser Satz einfach so dasteht?

„Meine Zeit steht in Gottes Händen“
Ich schreibe hier, was mir durch den Kopf geht zu diesem Satz, in der Hoffnung, Sie alle machen sich auch Ihre Gedanken … und ganz spannend wäre es, wenn wir ins Gespräch kämen darüber.

„Zeit“ meint nicht nur die Minuten und Stunden und Tage, die wir zur Verfügung haben - „Zeit“ in Ps 31,16 umfasst alles, unser ganzes Leben, unsere Lebenszeit. Also „alles“ steht in Gottes Händen, sagt der Psalmbeter.

Im Psalm 31 gibt es noch viele Gedanken vor diesem Vers und auch noch viele nachher: Da ruft Einer oder Eine aus der Not, die bedrängt, zu Gott. Diese Not ist in Psalm 31 beschrieben. Da gibt es Feinde und Kummer, schwindende Kräfte und Spott… und aus all diesen angedeuteten Nöten heraus wächst die Überzeugung (oder Hoffnung): „Meine Zeit steht in deinen Händen“. „Alles steht in deinen Händen“.

Dieses „in deinen Händen“ ist viel näher als „in Gottes Händen“. „Du“ ist persönlicher – das wissen wir aus unseren Beziehungen, die wir leben. Wem wir das „Du“ anbieten, mit dem verbindet uns schon ein wenig Geschichte, Erfahrungen, Vertrauen. Für den Psalmbeter und die Psalmbeterin ist Gott zum DU geworden. Zum DU, dem mann und frau alles sagen darf – das Erfreuliche und auch das Schwierige.

In „d Psalme Züridüütsch“ heisst diese Satz: „Miis läben isch ganz i diinere hand“ Oder in einer anderen Übersetzung: „In deiner Hand ruht meine Zeit“

Wenn ich diesen Satz einfach zu mir reden lassen, spüre ich das Vertrauen, das in diesem Satz steckt. Das Vertrauen zu diesem DU, in dessen Hand meine Zeit ruht.

Dieses Vertrauen möchte ansteckend sein, einladend – dass auch wir sagen lernen: „Alles steht in deinen Händen“. Oder vielleicht sagen wir lieber „alles steht in Gottes Händen“ oder „meine Zeit steht in Gottes Händen“.

Probieren Sie doch aus, welcher dieser Sätze am besten zu Ihnen passt. Alle Sätze probieren ja, den hebräischen Satz aus Ps 31,16 zu übersetzen in unser Leben. Dass die Sätze verschieden wirken, finde ich spannend.

Und so wünsche ich Ihnen spannende Erfahrungen mit unserem Jahresmotto aus Psalm 31,16 – in welcher Übersetzung auch immer. Wir haben ja ein ganzes Jahr Zeit, um all das auszuloten, was dieser eine Satz für uns bereithält.
Autor: Duri Gmür     bereitgestellt: 23.04.2010    
aktualisiert mit kirchenweb.ch